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Hypothyreose

Prof. Dr. med. Rudolf Hörmann kommentiert:

Als Top-Arbeit haben wir für den Monat November 2008 eine Übersichtsarbeit zum Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Schilddrüsenfunktion ausgewählt.
Dietlein und Kollegen diskutieren ausführlich die komplexen Beziehungen zwischen Energiehaushalt, Körpergewicht, im Fettgewebe gebildeten Hormonen und Parametern der Schilddrüsenfunktion.

Hintergrund
Die Schilddrüsenfunktion beeinflusst das Körpergewicht.
Eine Hyperthyreose führt typischerweise zur Gewichtsabnahme, die Hypothyreose zur Gewichtszunahme.
Ausnahmen sind ebenfalls bekannt, bei denen es im Rahmen einer Hyperthyreose infolge eines Überwiegens der Appetitsteigerung nicht zur Gewichtsabnahme, sondern zu einer paradoxen Gewichtszunahme kommt.
Auf der anderen Seite verändern sich im Rahmen von Gewichtsänderungen in reversibler Weise wichtige Laborparameter der Schilddrüsenfunktion, wie z.B. das TSH.

Methoden und Ergebnisse
Die Autoren fassen Studien zur Assoziation zwischen Body Mass Index (BMI) und dem TSH-Spiegel im Serum (positive Korrelation) sowie BMI und fT4 (negative Korrelation) zusammen.
Sie erklären die Mechanismen der positiven Wirkung von Schilddrüsenhormon auf den Ruheenergieumsatz, die Wärmeproduktion sowie den Zucker- und Fettstoffwechsel.
Teilweise wirken hier die Anregung des Appetits, die Steigerung der Nahrungsaufnahme und die Zunahme der Fettmasse dem erhöhten Energieverbrauch und der verstärkten Wärmeabgabe entgegen.
Unter der Einwirkung von Schilddrüsenhormonen ändern sich die Ernährungsgewohnheiten des Menschen nicht nur in quantitativer Hinsicht, sondern auch qualitativ, was die Zusammensetzung der bevorzugten Ernährung anbetrifft. Insbesondere kommt es zu einer gesteigerten Kohlenhydrataufnahme.
In der Regenerationsphase nach erfolgreicher Behandlung der Hyperthyreose durch Medikamente, Radiojodtherapie oder eine Operation werden Muskelmasse und Fettgewebe wieder aufgebaut, einhergehend mit einer Zunahme des Gewichts.
Nach Rekompensation einer milden Hypothyreose kommt es allerdings häufig nicht zu einer Gewichtsreduktion. Die aufgebauten Fettzellen wirken über die von den Adipozyten abgegebenen zahlreichen Fetthormone selbst weiter.
Das Fettgewebe wird heute als endokrines Organ aufgefasst.
Gut untersucht ist die Rückwirkung des von den Fettzellen produzierten Hormones Leptin auf die hypophysäre TSH-Sekretion.
Hochnormale TSH-Spiegel sind in diesem Zusammenhang bei adipösen Kindern und Erwachsenen auch als eine Folge der Adipositas anzusehen. Mit der Gewichtsabnahme fallen die TSH-Spiegel wieder ab, sog. reversible Hyperthyrotropinämie bei Adipositas.

Resümee
Die vorliegende Übersicht beschreibt anschaulich und detailliert aktuelle Entwicklungen der Forschung zur Beziehung von Adipositas und Schilddrüsenfunktion.



Originalabstract:


Obesity, energy regulation and thyroid function. Is borderline elevated TSH-levelthe cause or secondary phenomenon of obesity?

Autor/-en: Dietlein M; Kahaly G; Kobe C; Schmidt M; Derwahl KM; Schicha H

Quelle: Nuklearmedizin. 2008;47(5):181-187.


Several population-based studies have shown a significant association between TSH-level and BMI (body mass index). About 30% of the rest energy expenditure are regulated by thyroid hormones, which generated the hypothesis that thyroid hormone substitution with TSH-titration into the lower reference levels may prevent body weight gain. The opposite effect of thyroid hormones is appetite stimulation, which may be responsible for body weight gain in case of substitutive medication. The association between TSH and BMI has become a complex topic in the light of the endocrine activity of adipocytes. Adipocytes are not a silent fat mass, but increase the hormone level of leptin, which influences neurones in the hypothalamus, the thyreotropic axis and TSH secretion. BMI is positively correlated with serum leptin. Elevated leptin levels, endogenous in individuals with high BMI or exogenous after leptin injection for treatment of hypothalamic amenorrhoea, shift TSH in the upper reference level. Borderline elevated TSH levels are reversible in case of body weight reduction in obese persons. It remains unclear whether high TSH levels or high leptin level are responsible for obesity or represent secondary phenomenon. RECOMMENDATION for daily practice: Borderline elevated TSH-levels in obese patients will decrease in case of body weight reduction without hormone medication. After definitive treatment of hyperthyroidism patient s history for use of carbohydrates (increased during hyperthyroidism) should be noticed and substitution with thyroid hormones aims at TSH in the lower reference level. As body weight gain is observed in all TSH groups, a special concept for prevention and therapy of obesity (diet, daily exercise, behaviour training) should be initiated early and additionally to medication.


Literaturrecherche: U.S.National Library of Medicine's PubMed®

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